Nach knapp 40 Kilometern „Einrollen“ am Vortag steht heute mit 80 Kilometern etwa die doppelte Strecke auf dem Plan: von Elmshorn zurück zur Elbe, die Elbe entlang bis Brunsbüttel, dort über den Nord-Ostsee-Kanal und dann rechts nach Dittmarschen abbiegen.
Der Weg zurück zur Elbe ist fast die gleiche Strecke wie am Vortag; an der Fähre Kronsnest ist allerdings noch nichts los, denn der Fährbetrieb beginnt erst um 10:30 Uhr. Kurz hinter der Fähre geht es rechts ab und ich verlasse die Krückau. Über Nebenstraßen geht es durch kleine Dörfer, bis ich nach 14 Kilometern wieder an der Elbe stehe.
Dann geht es am und auf dem Deich weiter. Mal vor dem Deich, mal hinter dem Deich. Mal mit Schafen und dann wieder ohne Schafe. Unterbrochen wird dieses Einerlei nur durch den ein oder anderen kleinen Hafen, der am Weg liegt.



Im Glückstadt muss ich um den Hafen herum. In Glückstadt sind gerade Matjeswochen und da ist am Sonntag bei guten Wetter einiges los. So schiebe ich mein Fahrrad an den Buden entlang.

Sobald ich aus dem Getümmel raus bin, kann ich mich auf’s Fahrrad setzen und fahre an den historischen Fassaden der Hafenstraße entlang. Und dann geht es an der Elbe weiter. Am Anleger der Fähre Glückstadt – Wischhafen steht eine lange Schlange. Der Elbtunnel ist an diesem Wochenende gesperrt und so müssen die zahlreichen Urlauber auf anderen Wegen über die Elbe kommen. Ich möchte nicht wissen, wie lange man da auf die Überfahrt warten musste.

Zur Abwechslung kommen dann zwei ehemalige Kernkraftwerke in Sicht: zuerst das Kernkraftwerk Stade auf der anderen Elbseite. Wenig später dann das Kernkraftwerk Brokdorf. Und kurz vor Brunsbüttel noch das Kernkraftwerk Brunsbüttel.


Elbwasser als Kühlwasser – das war die einfache Idee, die diese Häufung von Kraftwerken hier erklärt. Aber glücklicherweise ist das Thema ja durch. Alle Kraftwerke sind im langwierigen und teuren Rückbau.
Kurz vor Brunsbüttel verlasse ich die Elbe. Zwischen Industrieanlagen durch geht es die Fährstraße entlang, die mich – Nomen est Omen – direkt zur Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal führt. Ich muss nicht lange auf die Fähre warten; schon nach wenigen Minuten wird die Ampel für Fahrradfahrer grün und ich darf auf die Fähre (heute war zwar nicht viel los, aber Ordnung muss sein 🙂 ). Die Fährpassage über den Nord-Ostsee-Kanal ist übrigens kostenlos. Das hatte seinerzeit Kaiser Wilhelm II. so entschieden: da der Kanal vorhandene Verkehrswege verstört, hatte sich das Deutsche Reich verpflichtet, kostenlose Kanalübergänge bereitzustellen. Und so sind alle Fähren zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau kostenlos. Genauer formuliert: alle Kosten trägt der Steuerzahler.


Inzwischen hat sich das Wetter deutlich verschlechtert. Es regnet in Strömen und das Regenradar sagt, dass das nicht besser wird. Am Wasser- und Schiffahrtsamt stelle ich mich erstmal unter.


Aber irgendwann fasse ich mir ein Herz, denn ich habe ja Regensachen dabei. Also alles anziehen, was den Regen so abhält und dann geht es weiter. Hätte ich in der Regenpause auf die Karte geguckt, so hätte ich noch ein paar Kilometer sparen können. Der Nordseeküstenradweg führt nämlich um Brunsbüttel herum und geht dann weiter nach Norden Richtung Dithmarschen. Wäre ich nach der Fähre einfach geradeaus weiter gefahren, so hätte ich etwa sieben Kilometer gespart. Normalerweise alles kein Problem, aber im Regen schon ärgerlich. Aber kurz hinter Brunsbüttel wird das Wetter auch langsam besser.

Knapp 20 Kilometer trennen mich jetzt noch von meinem Ziel. Es geht durch Dithmarschen durch. Nach zehn Kilometern dann die Überraschung: eine kurze, aber heftige Steigung. 30 Meter geht es kurz vor St. Michaelisdonn hinauf. Auf einem Waldweg in den bei dem grauen Regenwetter nicht unbedingt einladenden Wald hinein. Die Höhenmeter sind nicht so wirklich ein Thema und sich auch schnell überwunden – aber ich gebe zu, dass ich damit nicht gerechnet hatte. Nordseeküste topfeben? – Fehlanzeige.
Auf einem Hügel – dem 33 Meter hohen Mühlenberg – steht auch das Wahrzeichen von St. Michaelisdonn, die WIndmühle „Edda“.

Kurz danach erreiche ich auch mein Tagesziel, das „Kleine Landhaus Rehedyk“. Ein Pferdegestüt mit einigen liebevoll eingerichteten Zimmern. Und im Frühstücksraum kann man sogar heiraten. Auf den Fahrradtouren sieht man viele Hotel, jede Tour hat ihre „Low-Lights“, aber dieses liebevoll gestaltete Landhotel ist absolut eine positive Überraschung. 80 km geschafft, Beine hochlegen, Feierabend.
Strecke: Elmshorn – St. Michaelisdonn
Länge: 80,7 km
Dauer: 5:30 (inkl. (Regen)-Pausen, Fährfahrt)

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